Neue Sorten lassen das Märchen vom blauen Garten wahr werden

29.10.2012 13:17 | Blog Monika Zybon-Biermann

In dieser Duftkomposition machen auch Rosen mit

Schönheit ist nicht alles. Erst der Duft macht den hübschen Anblick so richtig verführerisch. So etwas gibt es sogar in Blau. Zugegeben, der Farbton tendiert mehr in Richtung Blauviolett.
 
Das blaue Duftbeet, das florando hier vorstellt, integriert auch Rosen. Dass noch keine Rosa-Sorte es geschafft hat, in der Farbe des wolkenlosen Sommerhimmels zu erscheinen, ist unbestritten. Die drei gewählten Beispiele kommen aber mit stark bläulichem Anteil im Violett dem Ziel so nahe, wie es sich früher kein Gartenfreund träumen ließ.

Auf insgesamt 24 sonnigen Quadratmetern, geteilt durch einen Pflegeweg in der Mitte, teilen sich Beetstrauchrose 'Rhapsody in Blue', Kletterrose 'Jasmina' und die edle 'Blue for You' den Platz mit Stauden, die in ähnlichen Farbtönen blühen. Als derzeit "blauste Rose" wird 'Rhapsody in Blue' gelobt. Ihr tiefdunkles Purpurviolett, das an die Roben hoher Geistlicher auf alten Gemälden erinnert, wird durch weiße Streifen und den sichtbaren gelben Kranz der Staubgefäße dramatisch gesteigert. Die bis in 1,20 Meter Höhe aufragenden Blüten verblassen zu Graublau, bevor sie abfallen. 2002 in England von Cowlishaw/Warner gezüchtet, vereint die junge Sorte die Gesundheit und den Duft historischer Rosen mit der unverdrossenen Blühwilligkeit neuer Selektionen. Sie bildet einen 60 Zentimeter breiten Busch, kommt einzeln, aber auch in Gruppen zur Geltung.

2005 gelang es dem renommierten deutschen Rosenspezialisten Kordes, die Kletterrose 'Yasmina' zu selektieren. Kleine, prall gefüllte, bläulich-rosa Schalenblütchen erscheinen in dichten Büscheln den ganzen Rosensommer hindurch bis in den Herbst auf diesem bis drei Meter hohen und ein Meter breiten Rambler. Unwiderstehlich - die an Mini-Malerrosen erinnernden Blüten und ihr aus Äpfeln mit einem Hauch von Birne und Aprikose gemixten Duftcocktail - wie ein Obstsalat mit Blütenblättern…

Die dritte im Bunde ist eine Edelrose, 'Blue for You'. Da die Vertreterinnen dieser Gruppe nur Einzelblüten an jedem Stiel hervorbringen, meinen manche, sie seien nicht für Beete geeignet, die Blüte zu spärlich und nur für Sträuße geeignet. Das ist richtig, wenn man Rosenbeete auf alte Art anlegt: die zur Königin gewählte Rosa in gebührendem Abstand zu ihresgleichen auf nackten Boden gepflanzt. Dann sind Edelrosen nichts als Schnittblumen. Anders, wenn man ihnen Gesellschaft gönnt. Dann wirken ihre großen, ausdrucksstark geformten Blüten nicht steif und verloren, sondern glänzen als Blickfang inmitten anderer Blumen.


Omas Lieblinge sind wieder in Mode

Die müssen natürlich in punkto Anspruch und Optik passen, wie zum Beispiel die schon in Omas Gärten beliebten Phloxe. Die Duftspender aus der Familie der Sperrkrautgewächse sind  in den östlichen Gebieten der USA zuhause. Über lange Zeit waren die dicken Dolden der Großstauden aus der Mode gekommen. In den letzten Jahren erleben sie ein Comeback. Phlox paniculata 'Amethyst' mit dunklem Blauviolett passt nicht nur in punkto Farbe zu den Rosen. Er liebt wie sie Kompostgaben, damit im Juli und August der Flor üppig genug ausfällt. Der je nach Standort und Bodenbeschaffenheit 70, 80 - ja, bis 100 Zentimeter hoch werdende Gartenphlox  sollte übrigens im Herbst zurück geschnitten werden. Das Laub bitte nicht kompostieren! Warum?  Auf diese Weise vermeidet man Pilzerkrankungen. Die stehen an der Spitze der Todesursachen für die Art. Sonnige Plätze sind wichtig; wenn über Mittag ein Strauch etwas Schatten wirft, gedeihen die 'Amethyste' umso besser. Was gar nicht geht, ist das Leben unter Bäumen, mit Wurzeldruck und Tropfnässe.


Einen lebhaften Kontrast zu Rosen und dicken Blütendolden bildet die seit Jahren immer beliebter werdende Verbena bonariense , das argentinische Eisenkraut, mit den hoch auf dünnen Stielen schwebenden zierlichen Dolden in purpurviolett.  In diesem Beet tummelt sich 'Lollipop', eine  neue Züchtung, die wesentlich niedriger als die Wildart bleibt. Zudem versprechen Gärtner, die sie getestet haben, dass sie weit weniger frostempfindlich ist. Bisher hat sich Verbena bonariense in Mitteleuropa nur selten wirklich winterhart gezeigt. Dass man sie dennoch als Dauergast im Garten haben kann, ist nicht schwierig: Verblühte Dolden nicht abschneiden, dann sät sie sich großzügig aus. Verfügt man über einen genügend durchlässigen Boden, überwintern die Sämlinge problemlos. Ich habe an zwei Orten erlebt, wie unterschiedlich der Erfolg sein kann. Während auf schwerem Lehmboden und in halbschattiger Lage daheim in Dortmund nur spärlich Sämlinge aufkeimten, von denen ganze zwei hoch wuchsen, erschienen auf dem leichten Sandboden im Garten meines Elternhauses im Emsland ganze Trupps der zierlichen Schönheit. Also: für die Verbene auf jeden Fall groben Sand ins Pflanzloch mischen! 'Lollipop' soll winterhart sein, wenn man die Stängel im Spätherbst tief abschneidet. Dann kann sie sich aber weniger aussäen. Vielleicht sollte man, um die vermutlich nach Standort unterschiedliche Härte auszutesten, einen Teil der Pflanzen abschneiden und andere stehen lassen, damit sie für Nachwuchs sorgen. Um sicher zu gehen, lässt sich mit etwas Winterschutz, der guten alten Fichtenzweig-Abdeckung, vorsorgen.
 

Salbei für das Auge und das Gewürzregal

Salbei passt ebenfalls perfekt ins sonnige Beet. Der Steppensalbei Salvia nemorosa 'Caradonna' reckt seine dunkelvioletten Blütenkerzen im Juli und August auf schlanken, straffen 40 bis 60 Zentimeter hohen Stielen in die Luft. Selbst ein Gewittersturm bringt sie nicht zu Fall. Was sie noch beeindruckender macht: die Blütenstängel schmücken sich mit tiefem Purpur, dunkler als die Blütenfarbe selbst. Die standfeste und robuste Sorte wurde 1996 in Deutschland gezüchtet.
Daneben ist ein wintergrüner Küchenklassiker mit violettem Laub wichtig: Salvia officinalis 'Purpurascens' ist Gewürz und Heilkraut mit ganzjähriger Schmuckwirkung. Der scharf-aromatische Blattduft und die blauen, aufrechten Blütenrispen im Juli und August sind Kontrast zu süßem Rosenduft und flachen Verbenen-Dolden. Praktisch: lila Salbeiblätter eignen sich wie grüne zum Würzen von Fleisch- und Nudelgerichten.


Duft und Sonne - da wundert es nicht, dass noch mehr zu finden ist, aus dem Parfüms und Tees entstehen können. Die Duftnesseln aus Asien und Amerika, Agastache-Arten in verschiedenen Sorten, dürfen in einer  solchen Kombination nicht fehlen. Schoko- und Minze-Aromen vereint die Agastache rugosa 'After Eight', eine 40 Zentimeter hohe Staude mit vielen Qualitäten. Purpurblau erstrahlen die Blüten, in dunklem Purpur zeigen sich die Knospen. Die zweite Vertreterin der aromatischen Sippe, Agastache 'Heatwave' wird fast doppelt so hoch wie ihre Verwandte und präsentiert sich den ganzen Sommer über mit Blüten in bläulichem Pink. Agastache rugosa 'Blue Fortune' ist die blauste Duftnessel, die man sich derzeit vorstellen kann. Sie zeigt ihre auffallenden Kerzenblüten von Juli bis in den September und beglückt damit nicht nur menschliche Nasen, sondern wie ihre Verwandten auch Insekten, vor allem die nützlichen Bienen. Eine Hitzewelle schadet den Agastachen nicht: in der Natur wachsen sie durchweg auf eher trockenen Plätzen in voller Sonne. Sie hassen allzu feuchte Böden.


Campanula lactiflora 'Loddon Anne' ist eine 80 bis 90 Zentimeter hoch werdende Riesenglockenblume, die ihre hellen, zartlila Blütenrispen in den Sommermonaten verschwenderisch  im Beethintergrund entfaltet. Ein Rückschnitt ist anzuraten; dann gibt es ab September neue Blüten. Außerdem könnte sie sich sonst allzu erfolgreich aussäen, ein Erbe der aus dem Kaukasus stammenden Wildart. Eine weitere Sorte, Campanula lactiflora 'Prichards Variety', kommt für vordere Plätze niedriger (50 bis 80 cm) daher und trägt Blütenschmuck in Amethyst-Violett.


Das Erscheinungsbild der nächsten Staudenglockenblume ist völlig anders: Campanula poscharskyana 'Stella' bleibt sehr niedrig. Ihre flach über den Boden rankenden Polster eignen sich daher für den Platz im Vordergrund einer Pflanzung. Dann verwischen die langen Ranken mit den kleinen dunkelgrünen Blättchen und die tiefvioletten Sternchen alle harten Kanten. Die Blütezeit beginnt oft schon im Mai und dehnt sich über den Juni bis in den Juli aus. Schneidet man Verblühtes ab, erscheinen dauernd neue Glockenblümchen, oft bis spät in den Herbst. Die aus den Bergen des Balkans stammende Art neigt dazu, sich auszusäen, gern in Gesteinsfugen aller Art.


Campanula und Astern – "nur" hübsch, und wie!

Zwei blaue Astern gehören in die Komposition. Es sind zwei, die sich sehr ähneln – die Bergastern (Aster amellus)  'Butzemann' und 'Veilchenkönigin', beide schon vor vielen Jahren von dem legendären Pflanzenzüchter und Autor Karl Foerster gezüchtet. Es sind schon mal kritische Stimmen zu hören, die behaupten, sie ähnelten einander so sehr, dass sie vielleicht identisch seien? Auf jeden Fall ist 'Butzemann' mit 40 Zentimetern Höhe deutlich kompakter als die 60 Zentimeter groß werdende 'Veilchenkönigin'. Sie machen beide keine Ausläufer, neigen aber dazu, sich auszusäen, wenn man Verblühtes nicht abschneidet. Besondere Pflege ist unnötig. Trotz ihrer besonderen Farbe und Blühwilligkeit haben sie die Robustheit der europäischen Wildart behalten.


Eine Katzenminze (Calamintha nepeta) darf nicht fehlen: es ist die hellbau-violett blühende Sorte 'Blue Cloud'. Der Duft der thymianähnlichen, massenhaft erscheinenden Rispen zieht Bienen magisch an. Sie feiern während des Sommers wahre Orgien darauf. Auch hier wird Rückschnitt nach der Blüte empfohlen, weil die fruchtbaren Katzenminzen sich kräftig aussäen können. Die Sämlinge schlagen teilweise wieder in die Wildform mit weißer Blüte zurück. Doch das lässt sich verschmerzen. Calamintha nepeta darf in die Teekanne wandern…

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